Was Polaris mitbringt, sind größere Fertigungsmöglichkeiten, eine robuste Bestandsbasis und viel billigere Ingenieurs-Kompetenz. In der Tat, sagt Blackwell, ist einer der wichtigsten Faktoren, ob Indian sinkt oder schwimmt, die Kosten: Obgleich Indian eine Premium-Marke darstellt, weiß Polaris, dass die Preise weiter nach unten gebracht werden müssen, wo die Motorräder viel erschwinglicher sind. Als Teil dieser Maßnahme wird die Indian-Produktion aus North Carolina ins Victory-Werk in Spirit Lake, Iowa, verlagert. Inzwischen sind ein Team von Ingenieuren und Designern bei Polaris schwer damit beschäftigt, zu entscheiden, was die nächste Indian sein wird.
"Wird sie eine große V-Twin oder könnte sie etwas anderes sein?" fragt Blackwell. "Wir wissen, wir als Unternehmen müssen für die Zukunft breiter aufgestellt sein, vielleicht mit kleineren Bikes für jüngere Kunden. Wie sollen wir das mit Indian hinbekommen? Oder sollen die Indians große V-Twins bleiben? Das muss alles noch geklärt werden. Eine Sache, die wir nicht vorhaben: Wir werden es nicht übers Knie brechen. Wir wollen es richtig machen."
Einen genauen Zeitplan gebe es laut Blackwell noch nicht. Wir bleiben gespannt.
Nach dem Rekordgewinn von 147 Mio. US-Dollar im Jahr 2010 gibt Polaris Industries (Muttergesellschaft von Victory Motorcycles) weiterhin Vollgas mit dem Erwerb von Indian Motorcycle, Amerikas ältestem Lieferanten von Motorrädern seit 1901. Die letzte der zahllosen Versuche, Indian wiederzubeleben, datiert vom November 2009, als der britische Hersteller Stellican Ltd die Marke kaufte und mit der Produktion von Indian-Bikes in einem Montagewerk in North Carolina begann. Am 19. April 2011 kündigte Polaris den Erwerb von Stellican (und der Private-Equity-Gesellschaft Novator) an für einen ungenannten Betrag. Auf der Unternehmens-Website gibt Indian an, im dritten Jahr des Bestehens hervorragenden Umsatz und Wachstum zu erfahren.
Stephen Julius von Stellican sagte hierzu: "Polaris wird seine bekannten Stärken in Entwicklung, Fertigung und Vertrieb nutzen, um unsere Mission des kompletten Relaunches der Marke zu erfüllen: Das enorme Potenzial der Marke India zu nutzen. Polaris ist der logische Eigentümer von Indian Motorcycle. Die Marke von Indian ermöglicht Polaris, aggressiv auf einem erweiterten Spektrum des Motorradmarktes vorzugehen."
Der Polaris-Chef Scott Wine war gleichermaßen optimistisch: "Wir freuen uns sehr, Teil der Revitalisierung einer typisch amerikanischen Marke zu sein. Indian hat Amerikas erstes Motorrad gebaut. Mit unserer Technologie und Vision sind wir zuversichtlich, dass wir das klassische Indian Bike liefern werden, erweitert durch die Qualität und die Leistung, für die Polaris und Victory bekannt sind."
Polaris hat im Jahr 2010 einen Umsatz von 1,9 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet durch den Verkauf von Victory Motorrädern, Geländewagen und ATVs. Eine Woche nach dem Kauf von Indian hat Polaris eine Vereinbarung über den Erwerb der Global Electric Motorcars (GEM) bekanntgegeben, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Chrysler Group und Hersteller von Premium-Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb.
Der Vize-Chef von Victory Mark Blackwell ergänzte: "Der Kauf von Indian war ein Sache, über die wir schon seit einiger Zeit nachgedacht haben, auch schon damals mit Gilroy, dann ernsthafter in den letzten zwei Jahren oder so. Wir sind sehr engagiert auf der Suche nach Möglichkeiten, das Unternehmen zu stärken, um es schneller wachsen zu lassen. In den letzten Jahren konnte man sehen, wie wir Swissauto gekauft und beinahe KTM übernommen haben, GEM, unsere Allianz mit Bobcat... wir haben uns über hundert Unternehmen in den letzten fünf Jahren angeschaut."
Gerade jetzt, sagt Blackwell, sind alle davon überzeugt, dass der Erwerb von Indian ein großer strategischer Schritt gewesen sei. Jetzt kommt der schwierige Teil: Herauszufinden, wie man Victory und Indian zusammenfügen kann. Welche Dinge gemeinsam genutzt werden können, bei welchen Dingen es nicht funktioniert. Eine Sache, die sicher scheint, ist, dass Victory und Indian zwei eigenständige Marken bleiben werden.
"Natürlich wissen wir, dass wir kein Indian-Logo auf eine Victory kleben können", betont Blackwell. "Unsere Kunden sind da viel zu schlau und zu differenziert für sowas. Was wir suchen, sind zwei Marken, die sich gegenseitig ergänzen."
Was das Unternehmen Indian mitbringt, ist vor allem sein Name und seine Geschichte als die älteste Motorradmarke in den Vereinigten Staaten.
Blackwell: "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass trotz aller Veränderungen, die Indian durchgemacht hat, der Name immer noch sehr stark und sehr hoch angesehen ist. In der Tat ist es erstaunlich, wie stark die Marke ist. Ich meine, bei Victory haben wir zwölf Jahre in diesem schwer umkämpften Geschäft hart gearbeitet, wir haben aus erster Hand gelernt, wie schwer es ist, eine Marke aufzubauen. Und wir haben eine Menge richtig gemacht, aber jeden Tag werden wir daran erinnert, wie schwer es ist, eine Marke aufzubauen. Der Kauf von Indian ist eine schöne Gelegenheit, mit einer starken Marke durchzustarten. Wir freuen uns - jetzt beginnt die harte Arbeit."
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